Glossar. Die wichtigsten Begriffe der Homöopathie


 

Ähnlichkeitsgesetz, -regel Similia similibus curentur = Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden! Das Ähnlichkeitsprinzip wurde 1796 durch Hahnemann veröffentlicht und besagt, dass ein Patient mit dem Arzneimittel behandelt werden soll, das in der Arzneimittelprüfung an Gesunden Symptome erzeugt hat, die denen des Patienten möglichst ähnlich sind. Beispiel: Allium cepa – die Küchenzwiebel – bei Schnupfen, tränenden Augen.

Allopathie – Gegenbegriff zur Homöopathie. Vom Wort her bedeutet Allopathie: Heilung durch Anderes (im Gegensatz zum Gleichen / Homöo-).

Anamnese – das Gespräch zwischen Homöopathen und Patienten zur Feststellung aller für die Verordnung eines Arzneimittels wichtigen persönlichen Einzelheiten.

Antidotierung – Aufhebung oder Schwächung der Wirkung eines homöopathischen Arzneimittels durch bestimmte unverträgliche andere Substanzen (Kaffee, Essig) unabsichtlich; oder absichtlich durch ein anderes homöopathisches Mittel, wenn eine Wirkung oder Arzneimittelprüfung unterbrochen werden soll.

Arzneimittellehre – damit bezeichnet man eine Zusammenstellung von Arzneimittelbildern, die die weltweit gesammelten praktischen Erfahrungen und die Ergebnisse von Arzneimittelprüfungen enthalten. Die erste Arzneimittellehre (Materia Medica) wurde von Hahnemann selbst erstellt. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden weitere umfangreiche Arzneimittellehren.

C – Potenz, s. Potenzierung, Centesimal-Verdünnung, 1 : 100,

D – Potenz – Potenzierung durch Verdünnung im Verhältnis 1:10 und Verschüttelung. D-Potenzen liegen erst ab der Potenzhöhe D 24 im immateriellen Bereich (C-Potenzen schon ab C 12).

Einzelmittel

Erstverschlimmerung – Zu Beginn einer homöopathischen Therapie können sich bei sehr empfindsamen Menschen oder bei zu häufiger Wiederholung der Gabe die vorhandenen Symptome vorübergehend verschlimmern. Dies wird als positives Zeichen für die richtige Arzneimittelwahl angesehen.

Globuli – Globuli (Singular: Globulus), zu Deutsch Kügelchen, werden die Streukügelchen aus reinem Zucker bezeichnet, die meist als Träger der homöopathischen Arzneimittel dienen.

Hahnemann, Christian Friedrich Samuel,  Arzt, Chemiker und Pharmazeut, Begründer der Homöopathie, wurde am 10. April 1755 in Meissen als Sohn eines Porzellanmalers geboren. Er schuf mit seiner Arbeit ein völlig neues medizinisches Konzept. Er nannte es „Homöopathie“ aus dem Griechischen hómoion (ähnlich) und pathos (Leiden). Das Jahr 1796 kann als das Geburtsjahr der Homöopathie bezeichnet werden, denn in diesem Jahr trat Hahnemann mit der Formulierung der Ähnlichkeitsregel – Similia similibus curentur – an die Öffentlichkeit. 1810 veröffentlichte er die erste Ausgabe seines Hauptwerks „Organon der Heilkunst“, damals noch unter dem Titel „Organon der rationellen Heilkunde“, das er im Laufe seines Lebens immer wieder auf den neuesten Kenntnisstand seiner Forschungen brachte. Hahnemann führte über 100 Arzneimittelprüfungen durch und entwickelte Theorie und Praxis seiner Lehre immer weiter. Da Hahnemann in seinen Anfängen die Arzneien als Urtinktur, d. h. in unverdünnter Form prüfte, waren Vergiftungen nicht auszuschließen. Deshalb begann Hahnemann (ab ca. 1801), die Arzneien zu verdünnen und in diesem Rahmen durch Verschütteln und Verreiben zu „dynamisieren“. Ab ca. 1827 gebrauchte Hahnemann den Begriff der Potenzierung. Im Laufe seiner wohldokumentierten ärztlichen Tätigkeit kam Hahnemann zu dem Ergebnis, dass viele scheinbar akute Krankheiten lediglich Ausdruck eines zugrundeliegenden Urübels, einer chronischen, miasmatischen Belastung seien. Er beschäftigte sich seit 1816 täglich mit der Heilung der chronischen Krankheiten. 1828–1830 veröffentlichte er sein Werk „Die Chronischen Krankheiten“, in dem die chronischen Miasmen und deren Heilung beschrieben werden. 1834–35 wendete sich das Leben Samuel Hahnemanns noch einmal grundlegend, als er die 45 Jahre jüngere Pariser Künstlerin Mélanie d’Hervilly kennenlernte. Nach der Hochzeit übersiedelte er mit ihr nach Paris, wo er gemeinsam mit ihr bis zu seinem Tod am 2. Juli 1843 praktizierte.

Hering’sche Regel – Die Heringsche Regel geht zurück auf Constantin Hering (1800-1880), einen bedeutenden amerikanischen Homöopathen des 19. Jahrhunderts. Ihr zufolge unterliegt der Heilungsverlauf bestimmten Gesetzmäßigkeiten: Das Abklingen der Symptome erfolgt a) in umgekehrter Reihenfolge ihres Auftretens, b) von innen nach außen, c) von oben nach unten.

Hochpotenz – entweder die Potenzen genannt, deren Verdünnungsgrad höher ist als die Avogadro´sche Zahl, also über D 24 oder C 12. Oder aber es sind Potenzen gemeint, die höher sind als die üblichen, die also oberhalb von C 30 und C 200 liegen.

Isopathie – eine Heilweise von „Gleichem mit Gleichem” (Homöopathie heilt mit „Ähnlichem”), etwa gegen eine Tuberkulose die Nosode Tuberculinum. Impfen ist auch ein isopathisches Prinzip.

Kent, James Tyler (1849 – 1916) – der einflussreichste Homöopath nach Hahnemann. Von ihm stammt das wichtigste Repertorium der homöopathischen Arzneimittel, die am häufigsten verwendete Potenzenreihe in der Verordnung: C 30, C 200, C 1000, C 10000, und bis heute maßgebliche Werke über Materia medica und homöopathische Philosophie.

Klassische Homöopathie – die Form der Homöopathie, die sich genau an die von Hahnemann aufgestellten Gesetze und Regeln der Therapie hält. Praktisch gesehen erkennen Sie „klassisch” arbeitende HomöopathInnen gewöhnlich daran, dass sie nur ein Arzneimittel zu einer Zeit geben, dass sie gründliche und ausführliche Anamnesen durchführen, dass sie nicht mehrere Methoden mischen und dass sie sich auf genaues Beobachten und Zuhören stützen und nicht auf Spekulationen.

Klinische Studien – Sie dienen der Erforschung der Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln bzw. Behandlungsmethoden und sind Grundlage der Arzneimittelzulassung. Ihre Durchführung ist durch eine Reihe von rechtlichen (AMG, Arzneimittelgesetz) und verfahrenstechnischen (GCP-Richtlinien, Good Clinical Practice) Vorschriften geregelt. Eine Form der klinischen Studien sind z. B. Doppelblindstudien.

Komplexmittel – Arzneimittel, die aus einem Gemisch potenzierter Stoffe bereitet werden. Diese werden aufgrund ihres Bezugs zu bestimmten Organen ausgewählt.

Konstitutionsbehandlung – eine Art grundlegender Behandlung sein, die über die konkrete Symptomatik hinausgeht.

LM-Potenzen, Q-Potenzen – In den letzten Jahren seines ärztlichen Wirkens in Paris hat Samuel Hahnemann das Potenzierungsverfahren in Stufen von 1 : 50.000 entwickelt. Deren Anwendung ist in der 6. Auflage des Organons dargelegt, die allerdings erst viele Jahre nach Hahnemanns Tod erschienen ist. LM steht für: L = 50, M = 1000, es wird hier teilweise auch von Q-Potenzen gesprochen, Q steht für Quinquagintamille.

Miasma – ( pl. Miasmen) eine angeborene Schwäche, Anfälligkeit für eine bestimmte Störung, die nicht mit gewöhnliche homöopathischen Mitteln zu beheben ist.

Modalitäten – die besonderen Begleitumstände, unter welchen ein Symptom auftritt. Für die homöopathische Arzneimittelwahl ist es sehr wichtig, ob ein Schmerz immer morgens oder immer abends auftritt, ob er durch Wärme besser oder schlechter wird, usw.

Nosoden – homöopathische Arzneimittel, die aus Krankheitserregern gewonnen werden. Abgetötet und in hohen Potenzen sind diese nicht ansteckend. Die wichtigsten Nosoden sind Tuberculinum, Medorrhinum, Psorinum, Syphilinum.

Organon – Hahnemanns theoretisches Hauptwerk, welches in der ersten Ausgabe „Organon der rationellen Heilkunde” und später „Organon der Heilkunst” hieß.

Polychrest – Als Polychrest wird ein homöopathisches Arzneimittel mit besonders umfangreichem Arzneimittelbild und daher großem Wirkungsspektrum bezeichnet.

Potenz, Potenzierung – der Begriff für die Herstellung der homöopathischen Arzneien. Lateinisch: potentia = Kraft. Der Begriff „Potenz“ wurde schon von Hahnemann geprägt. Zur Potenzierung wird nach der jeweiligen Vorschrift des HAB die Urtinktur verdünnt (D-Potenzen im Verhältnis 1:10, C-Potenzen im Verhältnis 1:100) und jeweils mindestens 10-mal kräftig geschüttelt. Bei vielen Firmen geschieht dies nach wie vor im Sinne Hahnemanns ausschließlich von Hand und nach der Mehrglasmethode, das heißt jeweils in einem eigenen Gefäß. Diese Gefäße müssen mindestens ein Drittel mehr Rauminhalt haben als es dem Volumen der aufzunehmenden Flüssigkeitsmenge entspricht. Verreibungen fester Ausgangsstoffe, wie z. B. Mineralien, werden mit Milchzucker (D-Potenzen 1:10, C-Potenzen 1:100) bis zur im HAB (Homöopathisches Arzneribuch) vorgeschriebenen Teilchengröße verrieben. Durch Verreiben oder Verschütteln werden Kräfte frei, die durch eine bloße Verdünnung nicht hervorgebracht werden. Je häufiger eine Substanz verrieben oder verschüttelt wurde, umso stärker ist die homöopathische Wirkung, obwohl stofflich bei jedem Potenzierungsschritt immer weniger enthalten ist. In Deutschland sind D-Potenzen, C-Potenzen und LM-Potenzen gebräuchlich.

Repertorium ist eine systematisierte Sammlung homöopathischer Symptome, um leicht nachschlagen zu können, für welche Arzneimittel dieses betreffende Symptom bekannt ist. Das bekannteste Repertorium hat Kent zusammengestellt. Heute gibt es erweiterte Fassungen. Das „Synthesis” und das „Complete” sind zur Zeit die umfangreichsten Repertorien, die auch als Computerprogramme zugänglich sind.

Unterdrückung meint in der Homöopathie eine Behandlung, die Symptome zum Verschwinden bringt, ohne tatsächlich die Krankheit auszuheilen. Dies führt erfahrungsgemäß zu einer Verschiebung oder Verschlimmerung des ursprünglichen Leidens. Im Prinzip kann jede falsche Behandlung, auch eine homöopathische, unterdrückend wirken.

Urtinktur – die Ausgangssubstanz, von welcher aus die homöopathischen Arzneimittel verrieben und dann verschüttelt werden, die Potenz Null.

Verreibung ist der erste Schritt zur Herstellung einer homöopathischen Potenz. Hahnemann gibt vor, die ersten drei Potenzierungsschritte mittels Handverreibung des Ausgangsstoffes in Milchzucker durchzuführen und danach erst in alkoholischer Lösung zu verschütteln. Nur wenige Hersteller richten sich heute noch nach dieser Vorschrift.

Verschüttelung ist der wichtigste Teil der Herstellung von Potenzen. Hahnemann gibt an, das Fläschchen kräftig mit der Hand auf einen festen, aber elastischen Gegenstand zu schlagen, etwa ein ledergebundenes Buch. Für die unzähligen Verschüttelungsvorgänge, die bis zur Erstellung einer C 1000 oder gar 10.000 nötig sind, hat man in der Zwischenzeit natürlich eine Reihe von Maschinen erfunden. Die Meinungen darüber, ob eine maschinell hergestellte Potenz genauso wirksam sei wie eine handverschüttelte, gehen auseinander. Tatsache ist jedenfalls, daß die meisten heute verkauften homöopathischen Heilmittel von Maschinen hergestellt werden. Im Zuge der Renaissance dieser Therapieform wächst aber auch die Zahl kleiner Apotheken und Laboratorien in aller Welt, die es sich zur Aufgabe gesetzt haben, homöopathische Potenzen – und auch Hochpotenzen – von Hand herzustellen, wie Hahnemann es angewiesen

„Indeß gehört dieser wahre Satz nicht unter die zu begreifen seyn sollenden, noch auch zu denen, für welche ich blinden Glauben fordre. Ich fordre gar keinen Glauben dafür, und verlange nicht, daß dieß Jemandem begreiflich sey. Auch ich begreife es nicht; genug aber, die Thatsache ist so und nicht anders. Bloß die Erfahrung sagt’s, welcher ich mehr glaube, als meiner Einsicht.“ SAMUEL HAHNEMANN, DEUTSCHER ARZT UND BEGRÜNDER DER HOMÖOPATHIE