Grüne stimmen nicht gegen Homöopathie auf Parteitag

Petition #RetteDeineHomöopathie und Heilpraktiker-Aktionen erfolgreich: Grüne in Deutschland stimmen nicht gegen Homöopathie auf Parteitag / „Großer politischer Erfolg“: Statements der beiden Petitions-Initiatorinnen von FDH und HG

Erstmals seit Jahren ist eine große politische Aktion von Heilpraktiker* innen und Ärzt* innen für Homöopathie erfolgreich. Und erstmals ist eine Petition der Homöopathie-Community erfolgreich: als Reaktion auf den öffentlichen Druck der Petition #RetteDeineHomöopathie von FDH und HG mit 47.000 Unterschriften und weiterer Aktionen wie Kontakte zu Politikern von den Heilpraktiker-Gruppen „Wir für Homöopathie“ und „Homöopathie vernetzt“ wird es auf dem Parteitag der Grünen am 15. November keine Abstimmung gegen Homöopathie geben.

Der Grünen-Bundesvorstand und alle Contra- und Pro-Homöopathie-Antragsteller haben sich am 1. November auf einen neuen gemeinsamen Antrag geeinigt, der die anderen Anträge kippt. Der neue Antrag sieht vor, dass es keine Abstimmung des Anti-Homöopathie-Antrages von Tim Demisch auf der Bundesdelegiertenkonferenz geben wird. Außerdem sieht der Antrag vor, dass eine Partei-Kommission eine Position der Grünen zur Homöopathie und anderer Gesundheitsthemen bis zum Parteitag 2020 erarbeitet. Zu dieser Kommission werden auch externe Experten wie Heilpraktikerinnen und Ärzte für Homöopathie zugezogen werden können.

Der taz-Journalist Ulrich Schulte schreibt zum Erfolg der Petition via Twitter: „Die Grünen legen den #Homöopathie-Streit bei – vorerst. Deal: Keine Abstimmung auf Parteitag im November. Stattdessen sol Kommission aus Fachpolitikerinnen bis zur übernächsten BDK Kompromiss finden. Sie kann Mediziner und Homöopathen hinzuziehen. .. Interessant: Feststellung, dass #Homöopathie nicht üer den Placebo-Effekt hinaus wirkt, ist raus. Harter Punkt Kassenfinanzierung ja/nein wird nur wolkig angedeutet. Wichtige Siege für Homöopathie-Befürworter.“

Auch der Geschäftsführer der Grünen Michael Kellner äußert sich (auf seiner Facebook-Seite): „Es ist in einem konstruktiven Dialog gelungen, einen guten Kompromiss zu finden. Ich danke dafür allen Beteiligten. Damit ist ein Weg beschrieben, um über die nötigen Anforderungen in unserem komplexen Gesundheitssystem zu sprechen und Vorschläge für Verbesserungen zu erbarbeiten. Es ging bei den unterschiedlichen Anträgen ja um eine Vielzahl von Fragen, die weit über die Frage der Erstattung von homöopathischen Mitteln hinausging. Dieser Komplexität werden wir am besten gerecht, wenn wir uns die nötige Zeit nehmen, die verschiedenen Aspekte zu diskutieren.“ 

Die Petition #RetteDeineHomöopathie von Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH) und ärztlicher Hahnemann-Gesellschaft (HG) hat bis heute (35 Tage nach Start am 1. Oktober) die Unterschriften von 47.000 Patienten, Heilpraktikern und Ärzten pro Homöopathie eingesammelt. Die Petition wurde in der TAZ ausführlich präsentiert und verlinkt, bei Tagesschau.de und BILD erwähnt – und in den sozialen Medien von der Anti-Homöopathie-Lobby mit Tausenden Trollen intensiv bekämpft.

Der Homoeopathiewatchblog hat die Petition von der ersten Idee bis zum Erfolg intensiv begleitet und unterstützt. Mich interessiert, wie die beiden Petitions-Initiatorinnen Ulrike Fröhlich (HG) und Ursula Hilpert-Mühlig (FDH) sowie aktive Heilpraktiker-Gruppen den Erfolg bewerten.

Ursula Hilpert-Mühlig, Heilpraktikerin und Präsidentin des Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH): „Wir haben mit unserem Aktionsbündnis über 47.000 Stimmen bei der Petition erreicht, dazu wurden tausende von Postkarten an grüne Politiker*innen verschickt und auch vor Ort mit Parteimitgliedern diskutiert. Ich bin überzeugt, dass wird damit ganz entscheidend dazu beigetragen haben, dass viele in der Partei nachdenklich geworden sind. Nachdenklich darüber, ob unser Gesundheitswesen nicht massiv verarmt, wenn man es nur auf Wissenschaftlichkeit reduziert und Erfahrungsheilkunde hinausdrängt. Darüber in einem Fachgremium, dem auch externe Expert*innen angehören sollen, vertiefend diskutieren zu können, begrüße ich. Gerne stellen wir uns auch als Ansprechpartner*innen zur Verfügung.“

Ulrike Fröhlich, Ärztin für Homöopathie und Vorständin der Hahnemann-Gesellschaft (HG): „Der Anti- Homöopathie-Antrag der Jungen Grünen wurde abgewehrt – das ist der erste große politische Erfolg der Homöopathie Gemeinschaft. Mit unserem Aktionsbündnis Homöopathie und Komplementärmedizin aus Heilpraktiker*innen und Ärzt*innen, gemeinsam mit unseren Patient*innen konnten wir über unsere Petition #RetteDeineHomöopathie bisher über 47.000 Unterstützende gewinnen. Dadurch haben wir 1. unsere Stimme hörbar gemacht und 2. Druck auf unsere Politiker, hier BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aufgebaut. Das hat das Durchwinken des Anti-Homöopathie-Antrages der Jungen Grünen verhindert.  Wir konnten damit gemeinsam erleben, dass es 1. Maßnahmen gibt, politischen Entscheidungen eine Richtung zu geben und das es sich 2. lohnt, sich gemeinsam stark zu machen. Genau an diesem Erfolg orientiert werden wir weitere wirksame Maßnahmen ergreifen.“

Eine Sprecherin der Heilpraktiker*innen-Gruppe „Wir für Homöopathie“ (die u.a. wegen möglicher Aktivitäten der Skeptiker-Lobby öffentlich namentlich nicht genannt werden möchte) schätzt den Erfolg der Homöopathie-Community so ein: „Geeint mit vielen hundert Kollegen und deren Patienten, unter denen traditionell eine sehr hohe Prozentzahl Mitglieder oder Wähler der Grünen sind, freue ich mich, dass sich die Partei nicht vor den Karren einer kleinen, lauten Gruppe hatte spannen lassen. Ich schätze die basisdemokratische Möglichkeit des Einbringen eines Antrags in die Bundesdelegiertenkonferenz sehr, ebenso wie den klugen und weitsichtigen Umgang mit V-01, den der Bundesvorstand gezeigt hat. Danke ebenfalls an die Mitglieder der Grünen, die sich so leidenschaftlich für den Erhalt der Therapie- und Therapeuten Freiheit sowie dem Pluralismus in der Medizin eingesetzt haben und es weiter tun.“

Quellenhinweis:
Autor: Christian J. Becker, Quelle: Homoeopathiewatchblog.de, November 2019