Nachruf auf Prof. Dr. Peter F. Matthiessen

Am 30. April ist – wenige Tage vor seinem 75. Geburtstag – Professor Peter F. Matthiessen gestorben.

Peter Matthiessen gehört zur Generation der Gründer der Universität Witten/Herdecke.

Als leitender Arzt und Psychiater im Gemeinschaftskrankenhaus, als außergewöhnlich gebildeter Wissenschaftler und als engagierter Dozent, Mentor und Lehrer hat Peter Matthiessen mit einem kleinen Kollegenkreis in den Gründungsjahren das Rückgrat der noch jungen, fragilen Universität gebildet – und ist bis zum letzten Lebenstag mit großer Leidenschaft für einen Methoden- und Perspektivenpluralismus in der modernen Medizin eingetreten.

Peter Matthiessen wurde 1944 im schwäbischen Calw geboren. Er studierte Humanmedizin in Marburg und St. Louis/Missouri, promovierte 1971 an der Universität Marburg und blieb bis 1975 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Anatomie. Es folgte die Weiterbildung zum Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie und von 1980 bis 1983 eine klinische Oberarzttätigkeit an der Marburger Universitätsklinik. Mit der Gründung der Universität Witten/Herdecke übernahm Peter Matthiessen 1983 als leitender Arzt die Abteilung für Psychiatrie am Gemeinschaftskrankenhaus. 1996 folgte der Ruf auf den Gerhard-Kienle-Stiftungslehrstuhl für Medizintheorie und Komplementärmedizin, den er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 innehatte.

Im Aufbau der jungen Universität, in der Ausgestaltung der medizinischen Fakultät, in der erfolgreichen Arbeit als national und international anerkannter Experte für die Komplementärmedizin galt sein ganzer Einsatz einer angemessenen Methodenvielfalt in der Wissenschaft: Der enormen Leistungsfähigkeit einer zunehmend naturwissenschaftlich geprägten Forschung hat Peter Matthiessen in der akademischen Debatte mit großer Überzeugungskraft die unabdingbar notwendige geisteswissenschaftliche und humanistische Seite von Gesundheit und Krankheit gegenübergestellt. Im Auftrag der Bundesregierung leitete Peter Matthiessen von 1986 bis 1996 die erste akademische Bestandsaufnahme der Komplementärmedizin in Deutschland: „Unkonventionelle Methoden der Krebsbekämpfung“ und „Unkonventionelle medizinische Richtungen“.  Gemeinsam mit dem damaligen Präsidenten der Bundesärztekammer, Professor Jörg Hoppe, rief er 2000 das „Dialogforum für Pluralismus in der Medizin“ ins Leben, dessen Sprecher er bis 2019 geblieben ist.

Der von Peter Matthiessen immer wieder neu inspirierte akademische Diskurs war beispielhaft für die junge Universität: hart in der Sache, im besten Sinne erkenntnistheoretisch „fundamental“, mit großer Überzeugungskraft und oftmals rhetorisch brillant.

Für seine vielen Assistentinnen und Assistenten, Promovendinnen und Promovenden und insbesondere Studierenden – nicht nur in der Medizin, sondern vor allem auch im Studium fundamentale – war Peter Matthiessen eine Quelle der Inspiration; und oft auch eine intellektuelle Herausforderung: Nicht jedem Gedanken konnte man ohne Weiteres folgen, und die Zahl der von ihm genutzten Fremdwörter, die man selten oder noch nie zuvor gehört hatte – war gelegentlich schwindelerregend hoch. Und gleichzeitig spürte man mit großem Respekt: Hier hat jemand einen ganz eigenen Weg zu umfassender Bildung beschritten.

Von dieser intellektuellen „Flughöhe“ unbeeinflusst verliefen die persönlichen Begegnungen mit Patientinnen und Patienten, mit Kolleginnen und Kollegen, mit Studierenden im Alltag: nie von Dünkel oder Überheblichkeit geprägt, stets zugewandt, mit wunderbar hintergründigem Humor, mit Selbstironie und von charmantem Schmunzeln begleitet. Peter Matthiessen mochte die Menschen. Und sie mochten ihn.

Peter Matthiessen wird der Universität fehlen. Seine Impulse werden weiter wirken.

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